Feuer, Tränengas und zersplitterte Scheiben: In Genf herrschte heute Ausnahmezustand – einen Tag vor dem G7-Gipfel im benachbarten Évian eskalierten die Proteste.
Es begann friedlich – der Protest gegen den bevorstehenden G7-Gipfel in Frankreich. Doch er eskalierte am Sonntag zunehmend. Am Spätnachmittag und Abend warfen Vermummte zahlreiche Scheiben ein, die Polizei setzte mehrfach Tränengas ein.
Ein Block aus einigen Hundert schwarz gekleideten Menschen störte die friedliche Atmosphäre der Demonstranten: Sie rissen Pflastersteine aus dem Boden und Sperrholzverkleidungen von Schaufenstern. Sie setzten außerdem ein Auto und Müllcontainer in Brand und warf zahlreiche Scheiben ein – von Geschäften, Bushaltestellen, Reklametafeln und den Eingängen von UN-Organisationen.
Polizei mit Großaufgebot
Die Polizei sprach von mindestens 20.000 Teilnehmenden, die Organisatoren von Zehntausenden. Die Polizei war mit rund 7.000 Sicherheitskräften im Einsatz. Sie hielt sich lange im Hintergrund. Abseits der genehmigten Marschroute riegelte sie aber mit großem Aufgebot etwa die wichtigste Brücke über die Rhone zu den Haupteinkaufsstraßen und an anderer Stelle den Hauptsitz der Vereinten Nationen ab.
Die Polizei berichtete auf Facebook, dass sie mehrere Gegenstände konfiszierte, die offenbar für Konfrontationen mit der Polizei vorgesehen gewesen seien.
Große Bandbreite an Protestthemen
Die „No G7“ -Koalition aus 60 Organisationen protestierte laut einem Manifest gegen US-Militärbasen in Europa, für höhere Mindestlöhne, kostenlose Verhütungsmittel, grenzenlose Freizügigkeit für Arbeitende aus aller Welt und die Streichung der Angabe des Geschlechts aus allen Ausweisdokumenten.Â
Die G7 bezeichneten sie als „illegitime und überholte Institution, ein privater Club, der nicht mehr der heutigen Welt entspricht“. Dort fällten „Großmächte Entscheidungen zugunsten der privilegiertesten Minderheit der Welt und zum Nachteil von mehr als 90 Prozent der Bevölkerung.“
Genf als Ausweichort
Das Treffen der G7-Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Japan und den USA beginnt an diesem Montag in Évian auf der französischen Uferseite des Genfersees. Genf liegt rund 50 Kilometer entfernt, aber Frankreich wollte nach Angaben der Genfer Stadtregierung keine Proteste dulden. Deshalb meldeten die Organisatoren die Demonstration in Genf an.
Großteil der Demonstranten war friedlich
Der größte Teil der Demonstranten blieb friedlich. Viele der Demo-Teilnehmer tanzten bei strahlendem Sonnenwetter und guter Laune.
Genf hatte sich für Ausschreitungen gewappnet. In Erinnerung an 2003, damals gab es Ausschreitungen bei einer Demo gegen die G8, damals noch mit Russland – mit verheerende Schäden und Geschäftsplünderungen. Hunderte Geschäftsleute und Hoteliers hatten ihre Schaufenster und Eingänge deshalb mit Sperrholzplatten verriegelt.
Die Ereignisse von 2003 seien ein Trauma für die Genfer Polizei, sagte die Polizeichefin des Kantons, Monica Bonfanti. Damals waren nur wenige Dutzend Beamte im Einsatz, die von der Gewalt völlig überrumpelt wurden. Dieses Mal hatte sie Verstärkung aus dem ganzen Land aufgeboten. Mehrere Tausend Polizistinnen und Polizisten kontrollieren seit zwei Tagen überall in der Stadt Autos und Personalien von Passanten.
G7-Delegationen reisen über Genf an
Die Aufgabe der Schweizer Sicherheitskräfte war nicht nur die Bewältigung der Demonstration. Sie müssen auch die Sicherheit der anreisenden Staats- und Regierungschefs garantieren. In Genf liegt der nächstgelegene Flughafen zu Évian, die meisten Delegationen sollen dort am Montag eintreffen.
Genf ist wie eine Enklave auf französischem Gebiet. Die Schweizer haben die rund 30 Grenzübergänge bis auf sieben geschlossen und führten schon am Freitag Personenkontrollen in der Stadt durch.
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Publish date : 2026-06-14 18:42:00
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