Anwaltskanzleien verwahren vertrauliche Pläne und sensible Mandantendaten – und geraten damit stärker ins Visier von Hackern. Welche Methoden die Angreifer nutzen.
Cyberkriminelle und staatlich gelenkte Spionagegruppen haben Anwaltskanzleien und Rechtsabteilungen zunehmend als lohnendes Ziel für Angriffe entdeckt. Die Zahl der Attacken auf Organisationen im Rechtssektor hat sich im Vergleich zu 2023 beinahe verdoppelt, wie aus dem am Mittwoch vorgelegten „Legal Threat Landscape Report 2026“ des IT-Sicherheitsunternehmens CrowdStrike hervorgeht.
Bei ihren Attacken suchen die kriminellen Hacker vor allem vertrauliche Mandantendaten wie Fusions- und Übernahmepläne, geistiges Eigentum, Finanzdaten und Gerichtsstrategien, die sich ideal für finanzielle Erpressung oder Wirtschaftsspionage eignen. Deutschland gehört laut dem Bericht neben den USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Israel zu den weltweit am häufigsten attackierten Ländern.
Erpressung mit Mandantendaten und perfide Täuschungsmethoden
Den weitaus größten Teil der beobachteten Angriffe machten mit 82 Prozent finanziell motivierte Cyberkriminelle aus. Auf sogenannte lukrative Großziele spezialisierte Erpressergruppen („Big Game Hunting“) nannten im Erfassungszeitraum von September 2025 bis August 2026 insgesamt 455 Organisationen aus dem Rechtssektor auf ihren Datenleak-Websites – ein Zuwachs von 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Angreifer machen sich dabei die strikte Verschwiegenheitspflicht zunutze, da Anwaltskanzleien unter erheblichem Druck stehen, Lösegelder rasch zu zahlen, um Reputationsschäden und regulatorische Strafen abzuwenden.
Als aggressivste Einzelbedrohung identifizierten die Sicherheitsexperten die Gruppierung „Chatty Spider“, deren Angriffsaktivitäten binnen Jahresfrist um 129 Prozent zulegten. Die Gruppe zielt fast ausschließlich auf Kanzleien ab und setzt dabei auf perfide Täuschungsmethoden: Die Angreifer rufen Anwälte oder Kanzleipersonal an, geben sich als interne IT-Mitarbeiter aus und bringen ihre Opfer dazu, Fernwartungssoftware freizugeben. In einem dokumentierten Fall versuchten die Hacker bereits vier Minuten nach dem Eindringen, sensible Daten abzuziehen. In den USA heuerten die Hintermänner in mehreren Fällen sogar Personen an, die sich vor Ort Zutritt zu den Kanzleiräumen verschafften, um sich direkt an Arbeitsstationen anzuschließen.
Chinesische Spionage und Kanzleien als digitales Sprungbrett
Rund 18 Prozent der registrierten Angriffe wurden mutmaßlich von staatlichen Akteuren verübt, wobei Gruppierungen mit Verbindungen zu China den Hauptteil dieser Spionageaktivitäten ausmachen. Deren Zahl hat sich laut CrowdStrike seit 2023 beinahe verdoppelt. Auffällig sei eine zunehmende technische Spezialisierung: So nutzte die Hackergruppe „Titan Panda“ erstmals Schwachstellen in einer Software für die Abrechnung von Kanzleistunden („Intapp Time Server“) aus, um Fernzugriff auf Kanzleisysteme zu erlangen. Gruppen wie „Murky Panda“ attackierten hingegen ihre Opfer mit breit angelegten Anmeldeversuchen auf Microsoft-365-Konten von Kanzleien.
Vereinzelt wurden zudem Aktivitäten aus Nordkorea registriert, die unter anderem auf Dokumente zur Gesetzgebung gegen Geldwäsche abzielten. CrowdStrike-Sicherheitsexperten betonen, dass Kanzleien längst nicht mehr nur Endziele seien, sondern Hackern als Sprungbrett dienen, um in die Netzwerke von Großkonzernen, Regierungsorganisationen oder Technologieunternehmen vorzudringen. Organisationen im Rechtswesen sollten daher dringend ihre Mehrfaktor-Authentifizierung verbessern, Fernwartungsprogramme strenger kontrollieren und spezialisierte Branchensoftware konsequent absichern.
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Publish date : 2026-10-29 03:30:00
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